Erklärung von Marty Rathbun – Teil 2

Teil 2 der

ERKLÄRUNG VON MARK „MARTY“ RATHBUN

8. Kurz nach dem Erhalt der Steuerbefreiung und nachdem die schriftliche Fixierung des Vergleichs bekannt wurde, begannen Reporter sich auf David Miscaviges und Shelly Miscaviges gemeinsames sechsstelliges Einkommen zu konzentrieren. Ich habe Anrufe der New York Times, der LA Times und der St. Petersburg Times genau dieses Thema betreffend, aufgefangen. Miscavige begann verrückte Forderungen zu stellen, dass ich diese Artikel verhindern soll. Er wurde mir gegenüber ausfallend und gewalttätig, so als ob ich die nackten, harten Tatsachen zum Verschwinden bringen könnte. Deswegen, zusammen mit Miscaviges zunehmend verschwenderischem Lebensstil, seiner unnatürlichen Besessenheit mit dem Schauspieler Tom Cruise, und wegen seinem zunehmend ausfallendem Verhalten Mitarbeitern und mir selbst gegenüber, begann ich mich zu fragen, ob der lange, harte Kampf mit dem IRS geführt worden war, um die Religion oder um Miscaviges persönliche Macht und seinen gewählten Lebensstil zu beschützen.

9. In der ersten Novemberwoche 1993 entkam ich mit meinem Motorrad aus der Int-Basis. Ich wollte meinen Vater noch einmal vor seinem Tod sehen, er war damals schwer an Lungenkrebs erkrankt. Als ich meinen Vater am nächsten Morgen anrief, sagte er mir, dass der ehemalige RTC Inspector General und Sekretär von Miscavige, Greg Wilhere, und meine damalige Frau, Anne Rathburn, an seinem Bett seien und mit mir sprechen wollten. Ich entschied mich, lieber über das Land zu fahren und einen alten Freund zu besuchen, bis es Miscavige leid sein würde, das Sterbebett meines Vaters überwachen zu lassen. Ich telefonierte jeden Tag mit meinem Vater und unterhielt mich mit ihm, dann hörte ich Wilhere und Anne zu, wie sie versuchten, mich wieder zur Rückkehr auf die internationale-Basis zu bewegen. Sieben Tage ging dieses Spiel. Schließlich erzählte mir Wilhere, dass es Miscavige leidtun würde, wie er mich und andere auf der Int-Basis behandelt habe und bat mich eindringlich, ein Telefongespräch von ihm anzunehmen. Von San Antonio, Texas, aus,  sprach ich schließlich mit Miscavige. Miscavige bettelte buchstäblich darum, dass ich mich mit ihm treffen solle. Ich sagte zu, mich zwei Tage später mit ihm in New Orleans zu treffen. Miscavige flog alleine dorthin und ich war einen ganzen Abend mit ihm zusammen. Er entschuldigte sich für sein egoistisches, unbeherrschtes und gewalttätiges Verhalten, schwor, sich zu ändern und versprach mir eine Belohnung dafür, dass ich die größte externe Errungenschaft in der Geschichte von Scientology angeführt hatte, die Steuerbefreiung der IRS. Die Belohnung bestand aus einigen Jahren Studienurlaub auf dem Schiff der Kirche, der Freewinds, um auf der Scientology-Brücke der geistigen Therapie und Ausbildung zum Auditor (Scientology Berater) voranzukommen.  Von Mitte November 1993 bis zum Spätsommer 1995 auditierte und trainierte ich auf der Freewinds. Ich wurde ein Klasse V Graduierter Auditor. Später trainierte ich, um ein Klasse-IX-Auditor zu sein. Im Einklang mit den Anweisungen von Miscavige trainierte ich ebenso bis Klasse XII hoch, auf der Basis von lies es-übe es-wende es an, so dass ich persönlich die vielen VIPs, handhaben konnte, die auf höheren Levels waren und die unzufrieden mit den kirchlichen Dienstleistungen waren, die sie von dem Celebrity-Zentrum der Kirche, der Flag Service Organisation und der Flag Ship Service Organisation (an Bord der Freewinds) erhalten hatten. Als ich mit meinem Training fertig war, waren meine Fertigkeiten bei der Anwendung der „Schriften“, wie McShane in seiner  Erklärung als „die geschriebenen und gesprochenen Worte von L. Ron Hubbard“ definiert, jedem anderen in irgendeiner der Scientology-Kirchen so weit überlegen, dass mich David Miscavige persönlich damit beauftragt hat, all die höchsttrainierten Auditoren und C/Se neu auszubilden, die Klasse XII in der Flag Service Organisation in Clearwater, Florida, erreicht hatten. Miscavige hat mich außerdem persönlich angewiesen, die Leben der Spitzen-VIPs der Kirche zu handhaben, mit Hilfe von Auditing, Fallüberwachung oder dem Einsatz von wie auch immer gearteten notwendigen, schriftgemäßen Werkzeugen. Also, er wies mich an, dass ich persönlich Tom Cruise, John Travolta, Lisa Maria Presley, Kirsti Alley, Isaac Hayes, Greta von Sustern, Billy Sgeehan und andere auditiere. Auch setzte Miscavige mich persönlich auf dem höchsten Posten, innerhalb des gesamten Scientology-Netzwerkes, abgesehen von seinem, als Inspector General RTC ein.

11. Als ich im Januar 1996 nach meinem Training auf die Basis des Internationalen Hauptquartiers zurückgekehrt war, wurde ich persönlich vom COB RTC, David Miscavige, und seiner Frau, COB Assistent RTC, Shelly Miscavige, die Schwerpunkte unterrichtet. Die Instruktionen konzentrierten sich fast  ausschließlich auf das Beschützen von Miscavige. I wurde darüber informiert, dass das gesamte RTC als erste und wichtigste Aufgabe den Schutz und das Fördern des Ansehens und der Macht von Miscavige übernommen hatte. Ich fand heraus, dass im RTC eine Reihe bedeutender Veränderungen während der zwei Jahre meiner Abwesenheit von der internationalen Basis stattgefunden hatten. Die oberste Hauptpriorität, war dafür zu sorgen, dass Mitarbeiter die Basis nicht verließen. RTC wurde sofort unterrichtet, wenn irgendjemand die Base unangemeldet verlassen hatte. Das wurde trotz der Tatsache gemacht, dass die CSI mehr als ein Dutzend vollzeitbeschäftigte Sicherheitsleute hatte, um die Leute da zu behalten und um Leute aufzuspüren. Das RTC stellte dann eine Gruppe von Leuten auf, um das, was als „Blow Drill“ bekannt war, zu beaufsichtigen. Ein „Blow“ ist im Scientology-Jargon als „ein sich unerlaubtes Entfernen“ definiert. Das brachte mit sich, dass noch mehr CSI-Mitarbeiter abgestellt werden mussten, um a) Personal- und andere Akten gründlich zu durchforsten, um vorherzusagen, wohin ein Entflohener fliehen würde, b) die Preclear-Akten (Unterlagen über die geistige Beratung) gründlich mit demselben Ziel zu untersuchen, sowie auch mit dem zusätzlichen Ziel, die persönlichen „Knöpfe“ (Punkte mit hohem emotionalem Potential) der Person zu finden, so dass, wenn sie gefunden wird, sie manipuliert werden kann, wieder zurückzukehren, c) alle verfügbaren Informationen über Bankkonten und Kreditkarten zu sammeln und sie zu verwenden, um die täglichen Ausgaben herauszubekommen, um dadurch den Aufenthaltsort der „geblowten“ Person genau zu bestimmen,  d) Verwandte, welche Scientologen sind, zu kontaktieren und sie zu überreden, sich für die Kirche einspannen zu lassen um zu erreichen, dass die Person zurückkomm, e) Verwandte der „geblowten“ Person zu kontaktieren, die keine Scientologen sind und, mittels Einsatz von PR-Geschenken an sie, um ihre Unterstützung zu gewinnen, um die Person zu bewegen zurück zu kommen, f) eine Datenbank mit Telefonnummern zusammen zu stellen, um jedes Motel auf jeglicher Route anzurufen, von der wir annahmen, dass die „geblowte“ Person sie nehmen würde (wurde aufgrund der Analyse der obigen Punkte a-e entschieden), g) eine Anzahl vertrauenswürdiger Personen in mehrere Autos zu setzen, um sich auf den Weg zu machen und zu versuchen, die „geblowte“ Person ausfindig zu machen. Bis zu zwei Dutzend Leute konnten manchmal tage- oder wochenlang mit dem „Blow Drill“ beschäftigt sein, bis die „geblowte“ Person ausfindig gemacht und wieder zurückgebracht worden war.

12. Diejenigen, welche in Gold arbeiteten, so wie Claire und Marc Headley es einst taten, haben nicht die Freiheit wegzugehen, wann immer es ihnen beliebt. Wenn sie weggehen, dann wird das als ein „Blow“ betrachtet und es werden heftige Anstrengungen unternommen, um sie wieder zurückzuholen. Den Leuten, die an diesem „Blow-Drill“ teilnahmen, haben wir geraten, von allen nur möglichen Überredungskünsten und Arten von Zwang Gebrauch zu machen, um die „geblowte“ Person wieder zurück zur Int-Basis zu bekommen. Wir haben geraten, dass sie von körperlicher Gewalt Abstand nehmen sollten, wenn sie eine „geblowte“ Person ausfindig gemacht haben. Jedoch war die Intensität des Drucks, welcher vom RTC erzeugt wurde, der vom Miscavige ausging und oft durch mich weitergeleitet wurde, so hoch, dass manchmal auf körperliche Gewalt zurückgegriffen wurde. Die beiden Miscaviges machten es sehr deutlich, dass jeder, der ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für Miscavige persönlich darstellte, dadurch, dass er in engem Kontakt mit ihm gearbeitet hat, unter Einsatz jedes nur möglichen Mittels, zur Int-Basis zurückgebracht zu werden hatte. Entsprechend bin ich, auf Miscaviges Drängen hin, einmal gegen einen „geblowten“ RTC-Mitarbeiter auf dem Internationalen Flughafen von Los Angeles tätlich geworden. Ich habe ihn am Kragen seines Hemdes gepackt, ihn hochgehoben, ihn mit dem Rücken auf die Motorhaube eines Taxis geworfen, ihn mit einer Hand am Nacken festgehalten, hob meinen anderen Arm mit der geballten Faust, und drohte den Schädel des Kerls abzuschlagen. Ich wurde für das Ergreifen derartiger Maßnahmen von Miscavige hoch belobigt. Miscavige instruierte mich und andere RTC-Führungskräfte, dass es unter keinen Umständen jemals für einen RTC-Mitarbeiter akzeptabel sein würde, zu „blowen“.

13. Ab 1992 verlangte Miscavige, dass das RTC Maßnahmen ergreift, welche das Verlassen der Int-Basis für die mehreren Hundert Mitarbeiter von RTC, CSI und Gold fast unmöglich macht. Wir setzten eine Sicherheitsüberwachung bei den Apartments der Mitarbeiter in Hemet, Kalifornien, ein. Der Zweck dieser Wachposten und der Überwachung war, dafür zu sorgen, dass niemand in den wenigen Stunden von der Int-Basis wegging, welche die Mitarbeiter zum Schlafen zur Verfügung hatten. Der Sicherheitsdienst traf sich mit Mitgliedern der Personal- und Trainings-Abteilungen, welche für die Weiterbildung von Personal und die Stundenpläne zuständig waren. Sie nannten dies „Führungsgremium über den Umkreis“. Seine Aufgabe war, ein Überwachungssystem über jeden Mitarbeiter auf der Int-Basis zu haben, der auch nur die geringsten Anzeichen von Unzufriedenheit mit dem Leben dort zeigte. Es war die Aufgabe des Sicherheitsdienstes, solche Leute scharf im Auge zu behalten und sie aus keinem Grund irgendwelcher Art jemals die Basis verlassen zu lassen. Bei diesen Sitzungen des „Führungsgremium über den Umkreis“ hatte das RTC gewöhnlich einen Repräsentanten anwesend. Wenn irgendein Mitarbeiter das Verlangen zum Ausdruck brachte, weggehen zu wollen oder wenn Miscavige oder irgendjemand im RTC dies auch nur vermutete, wurde derjenige dem Old Gilman House zugeteilt. Das war eine Gruppe baufälliger Gebäude, die abgelegen in einem entfernten Winkel des Geländes lagen. Hier gab es zusätzliches Sicherheits-Personal, welches durchgehend die ganze Nacht auf Wache war, um jegliches Weggehen zu verhindern. Zäune, die mit Bewegungsmeldern ausgestattet waren, umgaben das Int-Gelände. Wenn die Bewegungsmelder Alarm gaben, war Sicherheits-Personal innerhalb von Minuten an der Stelle, von der die Bewegung gemeldet worden war, um jeglichen entflohenen Mitarbeiter zu finden und wieder in das Lager zu bringen.

14. Wie stark diese Bemühungen des RTC und der CSI waren, wird durch das Beispiel des Don Jason illustriert. 1998 war Jason eine Führungskraft der Flag Service Organisation. Er war Zeuge für Miscaviges persönliche Beteiligung am Tod eines Gemeindemitglieds gewesen – und er verließ plötzlich die Organisation. Ich wurde direkt von Miscavige angewiesen, ihm hinterherzujagen und ihn nach Clearwater zurückzubringen. Als ich das gemacht hatte, gab mir Miscavige den Befehl, Jason auf das Schiff der Kirche in der Karibik, die Freewinds, zu schicken, damit er Monate mit schwerer körperlicher Arbeit und Beichten verbringt. Mir wurde gesagt, dass dieser Ort den Zweck hatte, eine Flucht von ihm unmöglich zu machen, da man auf der Freewinds Jasons Bewegungsfähigkeit kontrollieren könne, indem man seinen Reisepass wegschließt. Als es Jason gelang, von der Freewinds zu entkommen, und er die Zollbeamten überreden konnte, ihn ohne einen Pass zurück in die USA zu lassen, managte Miscavige persönlich meine zweite Mission, um Jason zur Rückkehr zu bewegen. Ich flog von Clearwater zu Jasons Heimatstadt außerhalb von Milwaukee, Wisconsin. Ich freundete mich mit Jasons Mutter an, die keine Scientologin war und gewann ihre Unterstützung, um Jason dazu zu bewegen mit mir zu kooperieren. Als Jason allem Druck, wieder zurückzukehren, standhielt, ordnete Miscavige an, dass ich Jason Dokumente unterschreiben lasse, welche ihn in der Zukunft unglaubwürdig machen würden, falls er die Kirche oder Miscavige öffentlich kritisieren würde. Das habe ich gemacht.

15. Zwischen 1996 und 2004 haben das RTC und ich viele „Blow-Drills“ durchgeführt. Als direkter Untergebener von Miscavige und jeder anderen Führungskraft in jeder Scientology-Kirche, einschließlich der CSI, übergeordnet, wurde von mir verlangt, dass ich Miscavige sofort in dem Augenblick Bericht erstatte, wo einer der mehreren Hundert Mitarbeiter von Int „blowte“. Von 1996 bis 2004 stellte mir Miscavige fast täglich die gleiche Frage, zuerst bei seiner Ankunft im Büro und als letztes, bevor er sich für die Nacht in seine Räumlichkeiten zurückzog: „Irgendwelche Blows?“ Wenn die Antwort auf Miscaviges Frage „Ja“ war, dann musste ich ihm haarklein erzählen, was unternommen worden war, um die betreffende Person wieder zu finden und sie oder ihn wieder zur Int-Basis zurück zu bringen. Miscaviges Assistentin und Ehefrau hat oft stundenlang ihr Lager in meinem Büro aufgeschlagen und hat mich mit übertriebener Aufmerksamkeit in Bezug auf die kleinsten Details beaufsichtigt (engl. „micro-managed“) – so wie auch ich die Blow-Drills akribisch beaufsichtigt habe – die einzigen Unterbrechungen waren, wenn sie regelmäßig in Miscaviges Büro zurückkehrte, um über den Stand bezüglich der „geblowten“ Person zu berichten. Miscavige und sein Assistentin haben oft mit mir erörtert, inwiefern die jeweils „geblowte“ Person eine Bedrohung für Miscavige selbst darstellt, sei es im Hinblick auf Public-Relations oder in rechtlicher Hinsicht. Das war das einzige Anliegen, das jemals von beiden zum Ausdruck gebracht wurde. Keiner der beiden hat jemals eine Sorge für das Wohlbefinden der Kirche oder des RTC zum Ausdruck gebracht, ganz zu schweigen von dem Wohlbefinden der „geblowten“ Person.

16. Nachdem ich an anderen Projekten gearbeitet hatte, kehrte ich im Januar 1996 wieder zum RTC auf die Int-Basis zurück und wurde sofort von Miscavige beauftragt, mich mit Verhören unter Einsatz des E-Meters zu befassen. Dies waren keine „Beichten“ oder „Sicherheitsüberprüfungen“, wie Mr. McShane sie eifrig als zentrale Doktrin der Scientology erklärt hat. Dies waren tyrannisierende Sitzungen, bei denen Mitarbeiter an das E-Meter gesetzt und gezwungen wurden, Verstöße gegen die Absichten, Pläne und Programme von Miscavige zu beichten. Manchmal waren ein oder mehr Leute anwesend, während der Befragende das Verhör durchführte. Ich wurde von Miscavige aufgefordert, dass ich sämtliche RTC „Auditoren“ und selbst Nicht-Auditoren in dieser Technik ausbilde. Anfangs widersetzte ich mich, wurde dann jedoch, durch die Assistentin von COB, Shelly Miscavige, mit einer Entlassung aus RTC bedroht. Bei mehr als einer Gelegenheit hatte sie mir gesagt, dass jede Anweisung, die sie mir jemals gegeben hätte, direkt vom COB gekommen war, dass sie nur als sein Bote fungiere. Ich wusste, dass solch eine Versetzung auch bedeutet hätte, dass meine damalige Frau, die ein langjähriges RTC-Mitglied war, gezwungen worden wäre, sich von mir scheiden zu lassen. Ich willigte ein und bildete, neben anderen, Claire Headley in diesen Techniken aus. Um diesen Techniken zu entsprechen, mussten Claire und andere, die sich in einer ähnlichen Lage befanden, praktisch auf sämtliche, schriftgemäße Lehren verzichten, die McShane sowohl in den Absätzen 5 bis 48 seiner Erkärung vom 24. Januar 2010, als auch in den Absätzen 7 bis 21 seiner Erklärung vom 19. Mai 2010 erläutert und an dieses Gericht geschickt hat. Sämtliche technisch ausgebildeten Personen innerhalb des RTC wurden letzten Endes gezwungen, genau das zu tun. Und 1998 bestand der größte Teil der Aktivitäten des RTC daraus, genau diese ausgesprochen nicht-religiösen, moralisch verwerflichen Praktiken durchzuführen und zu begehen. Claire war nicht mit Scientology-Auditing beschäftigt, als sie in dieser Art von Aktivität tätig  war, wie McShane es in  seiner Erklärung behauptet hatte.

17. Miscavige machte es zur regelmäßigen Gewohnheit, gegen Mitarbeiter sowohl von RTC, als auch von CSI, tätlich zu werden und böse zuzurichten. Ich habe gesehen, wie Miscavige Direktoren von CSI, Mitglieder des WDC (Watchdog Committee, der höchsten übergeordneten Gruppe innerhalb der CSI) und Mitarbeitern von Golden Era Productions regelmäßig körperlich traktierte. Dieses Verhalten wurde zwischen 1996 und 2000 immer häufiger. Bei vielen Gelegenheiten hat Miscavige mich laut und anhaltend beschimpft, dafür, dass ich schwach und darauf aus sei, ihn dranzukriegen – aufgrund meiner Zurückhaltung körperliche Maßnahmen gegen Mitarbeiter einzusetzen,  die er wegen irgendeiner wahrgenommenen Geringschatzung ausgeguckt hatte. Er machte das Gleiche mit etlichen Mitarbeitern, er prügelte mit den Fäusten auf eine Führungskraft im Internationalen Hauptquartier des WDCs und der ESI (der zweithöchsten übergeordneten Gruppe innerhalb der CSI), worauf er laut lamentierte, dass er der einzige sei, der jemals Ethik bei jemandem herein bringt. Im Laufe der Zeit wurden eine Reihe von anderen Führungskräften, mich eingeschlossen, unter Druck gesetzt gegen andere tätlich zu werden und sie böse zuzurichten. Dementsprechend habe ich in den späten Neunzigern bis Mitte 2001 eine Reihe von RTC- und CSI-Führungskräften und –Mitarbeitern körperlich angegriffen und geschlagen.

18. Ein spezifisches Beispiel, wie sich die in Abschnitt 17 beschriebenen Ereignisse abspielten, hat auch mit einer Partei des vorliegenden Falles zu tun, mit Marc Headley. Dieser Fall ist für die täglichen Angelegenheiten eines RTC-Mitarbeiters zwischen 1996 und 2004 nur allzu typisch. In den späten Neunzigern rief David Miscavige mich eines Tages in sein Büro. Er erzählte mir eine dramatische Geschichte darüber, wie Marc Headley angeblich einen spindeldünnen Mitarbeiter im Teenager-Alter in einem Kostüm einer Produktion von Golden Era festgesetzt hatte, so dass er seine Arme nicht bewegen konnte und dann damit fortgefahren habe, diesen Jugendlichen krankenhausreif zu schlagen. Er verlangte von mir, dass ich einen der jungen RTC-Vernehmer dazu bekomme, von Headley ein Geständnis dahingehend zu bekommen, dass seine angebliche Körperverletzung als ein Schlag gegen Miscavige beabsichtigt gewesen sei. Miscavige bestand darauf, dass Headley es darauf abgesehen habe Miscavige zu zerstören, eine Anschuldigung, welche er regelmäßig jedem gegenüber machte, der ihm nicht stets mit kriecherischer Ehrerbietung begegnete. Ich wurde weiterhin angewiesen, dass wenn Headley der Forderung bereitwillig nachkäme, dass ich dann Headley das antun solle, was er diesem Opfer seiner angeblichen Körperverletzung angetan hatte. Mir wurde ausdrücklich untersagt, derartige Angelegenheiten selbständig zu untersuchen und jeglicher Versuch von jemandem im RTC, dies zu tun, wurde als ein Verrat an Miscavige behandelt. Ich habe Marc mit einer jungen Vernehmerin in einen Raum gesetzt, wo Marc die Elektroden des E-Meters halten musste. Ich habe das Geschehen heimlich über ein internes Kamera-System beobachtet. Durch eine Hörmuschel, die sie während der Vernehmung von Marc trug, habe ich der Vernehmerin Anweisungen zugeflüstert. Marc drückte Unglauben über die Anschuldigungen aus und beteuerte, dass er fälschlich beschuldigt werde. Als die Vernehmerin sich eine Weile abgemüht hatte, Marcs Widerstand zu brechen, platzte ich in den Raum, packte ihn am Hemd und marschierte mit ihm hinaus. Ich drehte ihn herum und schlug ihm ohne Vorwarnung mit voller Wucht auf das Kinn. Ich sagte zu ihm, „jetzt packst du aus.“ Marc sagte „Jawohl, Sir“ und ging wieder in den Verhörraum zurück. Obwohl Marc nie das gestanden hatte, was Miscavige wollte, gab mir Miscavige ein „gut gemacht“ dafür, dass ich ihm eine auf‘s Kinn geballert hatte.

19. Von ungefähr August 1998 bis Ende Juni 2000 war ich die meiste Zeit in Clearwater stationiert, wo ich die Verteidigung in einer strafrechtlichen Anklage organisierte, die gegen die Flag Service Organisation der Scientology-Kirche vorgebracht wurde. Bei diesem Fall drehte es sich um den Tod einer Frau namens Lisa McPherson, die 1995 auf dem Gelände der Kirche gestorben war. Weil der Fall die Aufmerksamkeit internationaler Nachrichtenmedien erregt hatte und weil in den Monaten vor ihrem Tod Miscavige persönlich die Handhabung von Lisa McPerson überwacht hat, war Miscavige die den größten Teil desselben Zeitraumes in Clearwater und überwachte die Verteidigung akribisch. Während diesen Zeitraums rief mich Miscavige bei vielen Gelegenheiten in den Konferenzraum neben seinem Büro, damit ich bei Telefonkonferenzen mithören konnte, die er mit RTC-Mitarbeitern und mehreren Mitgliedern der höchsten Management-Körperschaften der CSI führte – Watchdog Committee (WDC) und Executive Strata International (ESI). Bei den meisten dieser Gelegenheiten blaffte Miscavige eine Reihe von Anweisungen an die CSI-Führungskräfte. Die meisten dieser Gespräche enthielten endlose, mit Obszönitäten gewürzte Tiraden von Miscavige, in denen er einzelne CSI-Führungskräfte von „WDC“, „ESI“, „Gold“ oder „Int“ im Allgemeinen attackierte. In regelmäßigen Abständen warf Miscavige Anweisungen an Mitarbeiter ein, die an den Besprechungen teilnahmen, dass sie der einen oder anderen Person einen leibhaftigen Klaps geben oder sie schlagen sollten. Ich hörte wie Miscavige auch das in Gang setzte, was er „Seancen“ nannte. Es handelte sich hierbei um Beichten vor einer Gruppe, wo von Mitgliedern von WDC und ESI verlangt wurde, sich vor die Versammlung zu stellen und seine oder ihre Unzulänglichkeiten, falsche Verhaltensweisen und Absichten zu beichten, welche dem Überleben von Miscavige persönlich entgegengesetzt waren. Manchmal hat Miscavige diese Sitzungen abgehört, indem er einen RTC-Mitarbeiter, der vor Ort war, beauftragte ein Konferenztelefon anzuschalten, damit er mizhören konnte. Wenn er etwas hörte, dass sein Interesse weckte, veranlasste er seinen Assistenten einen der RTC-Mitarbeiter über ein separates Telefon zu erreichen und blaffte dann diesem Mitarbeiter Anweisungen zu. Viele Male hatten die Anweisungen damit zu tun, dass die beichtende Person weitere Details über seine oder ihre Verfehlungen geben sollte, besonders die angeblich Sexuellen. Miscavige hörte dann weiter heimlich durch das Konferenztelefon zu,  um sicher zu stellen, dass seine Anweisung zufriedenstellend erfüllt wurde.

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5 Antworten zu Erklärung von Marty Rathbun – Teil 2

  1. Rita Wagner schreibt:

    Vielen Dank an die Initiatoren und Übersetzer dieses Artikels !!! Ansonsten macht es mich eigentlich, wie wahrscheinlich viele von Euch auch, einfach sprachlos!!

  2. Burkhard schreibt:

    Ebenfalls, ein Dankeschön für die Übersetzungen!
    Ich bin bin wie Rita sprachlos…….
    Stimmt es, daß es auf der Intbase sowas wie eine Bücherverbrennung gegeben hat???
    Sind das nur Gerüchte oder ist da etwas dran?

    • Rita Wagner schreibt:

      Lieber Burkhard, nachdem ich das Buch „Blown for Good“ (hauptsächlich IntBase), Martys Blog und noch einige andere unglaubliche Geschichten von der IntBase gelesen habe, halte ich alles für möglich!! Woher hast Du diese Information denn?

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