Anno Domini 543 und 553: Die Synoden von Konstantinopel

Anno Domini 543 und 553:
Die Synoden von Konstantinopel

Über einen verlorenen Text von Origenes schrieb der Kirchenlehrer Hieronymus, einst ein glühender Bewunderer und später erbitterter Feind der origenischen Lehren, folgende Worte:

„Alle körperlosen und unsichtbaren vernünftigen Geschöpfe gleiten, wenn sie in Nachlässigkeit verfallen, allmählich auf niedere Stufen herab und nehmen Körper an je nach Art der Orte, zu denen sie herabsinken. Zum Beispiel erst aus Äther, dann aus Luft und wenn sie in die Nähe der Erde kommen, umgeben sie sich mit noch dichteren Körpern, um schließlich an menschliches Fleisch gefesselt zu werden …

Dabei wechselt er seinen Körper eben so oft, wie er seinen Wohnsitz beim Abstieg vom Himmel zur Erde wechselt.“

Origenes vertrat in seinen Lehren das Wissen um die Reinkarnation!

Wer war Origenes, dessen Worte von Hieronymus beschrieben wurden?

Origenes lebte von 185 bis 253 n. Chr. Er war der Gelehrte des Urchristentums, der als erster einen umfassenden Zugang zu allen damals bekannten Dokumenten des Christentums, den Evangelien, der heiligen Schriften der Juden, apokryphen (später hinzugefügt) Schriften und Apostelbriefen hatte.

In seinen Studien und Forschungen brachte Origenes das darin enthaltene Wissen in einem philosophischen Lehrsystem zusammen. Seine geniale sprachwissenschaftliche und theologische Leistung wird noch heute unbestritten anerkannt und er gilt nach heutigen Maßstäben als ein Gelehrter von Weltrang.

Als Universalgenie und Wissenschaftler errang Origenes in der damaligen Welt alle weltlichen Ehren und wurde auch ein begeisterter Christ.

Sein Studium begann in Alexandria. Der Stadt, in der sich zu seiner Lebzeit die berühmteste und umfangreichste Schriftensammlung des Altertums befand. Für seine wissenschaftliche Arbeit hatte Origenes eine einmalige Chance, denn späteren Gelehrten war es nicht mehr vergönnt, das gesammelte Wissen der Bibliothek von Alexandria für ihre Studien zu nutzen. Sie wurde 389 n. Chr. von einem Glaubensfanatiker, angestiftet durch den Patriarchen Theophilus, in Brand gesetzt.

Beeindruckt von den Sachkenntnissen, vertraute der damalige Bischof von Alexandria Origenes ein kirchliches Lehramt an, der Leitung der Katechetenschule in Alexandria. Durch seine Gelehrsamkeit auf theologischem Gebiet wurde Origenes zu einer der meistbeachteten Persönlichkeit der Kirchenvertreter der damaligen Zeit. Seine Kenntnisse und Glaubenslehren blieben über Jahrzehnte unbestritten und unwidersprochen.

Zum Presbyter (Priester) von Bischöfen in Palästina geweiht, weckte diese Anerkennung den Zorn und die Missgunst seines Förderer und Freund, Bischof Demetrius von Alexandria. 231 n. Chr. wurde auf zwei ägyptischen Synoden sein Priesteramt aberkannt. Origenes und seine Lehren wurden gebannt. Origenes hatte seinen einstigen Lehrmeister an Berühmtheit und Sachkenntnissen weit übertroffen.

Damit begann ein politisch religiöser Machtkampf. Origenes unwiderlegte Lehren wurden auch nach seinem Tod zum Leidwesen der damaligen jungen Kirche von führenden palästinensischen Theologen weitergeführt und standen bald in Fehde zum Machtanspruch des kirchlichen hierarchischen Systems. Noch im 3. Jahrhundert begann man Origenes Schriften als Häresie zu verleumden.

Die Auseinandersetzung zwischen den Anhängern der Kirchenhierarchie und den Anhängern der Lehren des Theologen Origenes gipfelte in der folgenden Zeit in unvorstellbaren Fanatismus und löste drei Jahrhunderte später eine folgenschwere und blutige Katastrophe in den Sabaskklöster in Palästina aus.

542 n. Chr. übergaben Origenesgegner dem päpstlichen Apokrisiar (Gesandter) Pelagius eine Klageschrift an Kaiser Justinian in Konstantinopel.

Die Chancen der Gegner, Die Lehren des Origenes (das Wissen um die Reinkarnation) ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen, standen gut.

Justinian sah sich als Staatsmann, Gesetzgeber und als obersten Herrn der Kirche und ging mit Grausamkeit gegen Häretiker, Juden und Heiden vor. Durch und durch Machtpotentat, machte sein Ehrgeiz auch nicht vor dem Eingreifen in die christliche Lehre halt. Letztendlich war das Motiv, gegen die Anhänger des Origenes vorzugehen, darin gegeben, dass der Papst Virgilius in Rom, ein Günstling und Marionette der Gemahlin des Kaisers, Theodora, auf militärische Hilfe gegen die Ostgoten angewiesen war und Justinian der anschwellenden innenpolitisch religiösen Front der Origenischen Lehre leid war.

Justinian verfügte über den Patriarchen Mennas von Konstantinopel eine Synode der Ostkirche einzuberufen. In einem ausführlichen Brief, JUSTINIANI IMPERATORIS LIBER ADVERSUS ORIGINEM und neun kaiserlichen Anathemen (Bannflüchen), verlangte Justinian die Verurteilung der Lehren des Origenes.

Für Mennas von Konstantinopel und Pelagius, dem päpstlichen Apokrisiar, war des Kaisers Anliegen eine willkommene Gelegenheit gegen den allmächtigen Theodor von Askidas, Bischof von Cäsarea, vorzugehen, welcher die Lehren des Origenes vertrat.

Die Synode von 543 n. Chr. erließ ein Edikt, worin Origenes und seine Lehren mit dem Anathem (Bannfluch) belegt wurden.

Es unterschrieben die anwesenden Bischöfe, Mennas von Konstantinopel, zusätzlich die Patriarchen Vigilius, Papst von Rom, Zoilos von Alexandrien, Ephräm von Antiochien und Petrus von Jerusalem.

Des Kaisers Bannflüche Nr.1 und Nr.9 sind in diesem Edikt von Bedeutung.

Nr.1: „Wenn einer sagt oder meint, die Seelen der Menschen seien präexistent gewesen, insofern sie früher Geistwesen und heilige Mächte gewesen seien, es haben sie aber Überdruss ergriffen an der Schau Gottes und sie hätten sich zum Schlechteren gewendet, darum sei die göttliche Liebe in ihnen erkaltet, hätten davon den Namen „Seelen“ bekommen und seien zur Strafe in Körper hinabgeschickt worden, der sei anathema (verflucht)“.

Nr.9: „Wenn einer sagt oder meint, die Bestrafung der Dämonen und der gottlosen Menschen sei zeitlich und werde zur irgendeiner Zeit ein Ende haben oder es werde eine Widereinbringung von Dämonen oder gottlosen Menschen geben (Apokatastasis), der sei verflucht“.

Mit Nr.9 wurde die Ewige Verdammnis etabliert und eine Widerversöhnung der gefallenen Seelen mit Gott dogmatisch ausgeschlossen.

Auf dem V. Allgemeinen Konzil von Konstantinopel, 553 n. Chr., wurden erneut die Lehren von Origenes verurteilt.

Folgende Bannflüche wurden ausgesprochen.

„Wer die märchenhafte Präexistenz der Seele und die mit ihr zusammenhängende abenteuerliche Apokatastasis (Die Wiederherstellung aller Dinge) behauptet, der sei anathema“.

„Wer sagt, dass das zukünftige Gericht die Vernichtung der Körper anzeige und dass das Ende der Fabel die immaterielle Physis (natürliche Beschaffenheit) sei und dass in Zukunft nichts Materielles mehr sein werde, sondern nur bloßer Geist, der sei anathema.“

„Wer behauptet, dass alle Vernunftwesen wieder eine Einheit bilden werden, wenn die Hypostasen (Erscheinungsformen) und Zahlen samt den Körpern aufgehoben sind, und dass auf die Erkenntnis der vernünftigen Dinge der Untergang der Welten, und die Ablegung der Leiber folge, und die Aufhebung der Namen und die Identität der Erkenntnis und Hypostasen entstehe; ferner dass bei der fabelhaften Apokatastasis nur die Geister allein übrig bleiben, wie es auch in der fingierten Präexistenz so gewesen sei, der sei anathema.“

„ Wer sagt, dass das Leben der Geister dann dem früheren gleich sein werde, wo sie noch nicht herab gestiegen und gefallen waren, so dass der Anfang und das Ende einander gleich seien, und das Ende das Maß für den Anfang, der sei anathema.“

Es heißt, dass auf den offiziellen Sitzungen, welche vom 5.5. bis zum 2.6. 553 dauerten, nicht über Origenes verhandelt wurde. Gleichwohl findet man im 11. Canon des Konzils folgenden Bannfluch:

„Wer nicht verflucht den Arius, Ennomius, Macedonius, Appollinarius, Nestorius, Entyches und Origenes samt ihren gottlosen Schriften und alle anderen Häretiker, welche verflucht sind von der heiligen katholischen und apostolischen Kirche und von den früher genannten vier heiligen Synoden samt denen, welche die gleiche Gesinnung hatten und haben, bis ans Ende bei ihrer Gottlosigkeit verharren, der sei anathema.“

Papst Vigilius, selbst nicht anwesend bei diesem Konzil, unterzeichnete erst am 8.6. des Jahres 553 die Konzilsakte und setzte damit gültiges Recht.

___________________________

Wer sich über Origenes und diese Ereignisse detailliert informieren will, der kann nach dem Buch „Wiedergeburt“ von Herman Bauer googeln. Eine spannende Lektüre.

Reinkarnation, der Kreislauf der Wiedergeburt, war ein grundlegender Glaubenssatz vieler alter Kulturen und auch in unserem christlichen Glauben.

Burkhard

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27 Antworten zu Anno Domini 543 und 553: Die Synoden von Konstantinopel

  1. Schorsch schreibt:

    Naja, die katholische Kirche weiß eigentlich viel mehr als sie uns lehrt. Vor vielen Jahren hatte ich in der Schule, ich glaube ich war damals 12 oder so, Religions Unterricht. Damals in Bayern zumindest waren das noch echte Pfarrer die diesen katholischen Unterricht durchgeführt haben.
    Natürlich habe ich nie aufgepasst. Dann sollten wir mal einen Aufsatz über Jesus schreiben. Das war hart, weil ich keinen blassen Schimmer von dem hatte was im Unterrricht so alles „dogmatische“ erklärt wurde. Da ich zufälligerweise in meiner Vergangenheit damit in Berührung war habe ich halt da nachgeschaut und dann den Aufsatz so geschrieben, wie ich mich erinnern konnte, was ich damals gelehrt bekam. Der Pfarrer als das las war erschrocken und fragte mich, wo ich das her hätte. Nicht in der Art, daß er jenes als Schmarrn oder Phantasie abgetan hätte, sondern in der erstaunten Art, wo ich denn dieses Wissen her hätte.
    Wenn man sich mal ganz wertfrei die Bibel anschaut, dann zumindest frage ich mich, wie aus diesem Buch eine weltumspannende Religion werden konnte. Meine einzige rationale Erklärung ist, dass hier etwas fehlt. Und zwar die entscheidenden Punkte welche Menschen dazu gebracht haben dieser Religion angehören zu wollen. So gesehen ist die Scientology hier viel schneller gewesen. Binnen kürzester Zeit (geschichtlich gesehen) hat es die Scientology geschafft eine leere sinnfreie Hülle zu werden die nur mittels Zwang und Herrschaft aufrecht erhalten werden kann.

  2. Chris schreibt:

    Burkhard, hast Du das verfaßt? OBERGEIL und super interessant…
    Ich habe als bibelfester Christ aus einer aktiv christlichen Familie selbstverständlich von jenen Konzilen gehört und unter anderem auch darum später als angehender Scientologe lange damit zu kämpfen gehabt, ob ich meinen christlichen Glauben verrate, wenn ich frühere Leben und damit verbundene Ideen als im Bereich des Möglichen akzeptiere. Die von Dir zusammengefassten Daten waren mir in diesen Details jedoch unbekannt.
    Was mir allerdings absolut klar ist, ist, daß man in der Bibel – jedenfalls für den, der sie gut genug kennt und mit den Begrifflichkeiten richtig umgehen kann – viel OT-Hatting finden kann und viele Daten, die generell darauf hinweisen, daß Jesus die Welt sehr viel eher von einem ähnlichen Blickwinkel wie Origines gesehen hat wie z.B. durch die Augen eines heutigen Pfarrers oder Papstes. Und Jesus war echt cool. Also seine Fähigkeiten und seinen Charakter könnten wir auch heute noch gut gebrauchen.
    Vielen Dank für das Mitteilen dieser spannenden Entwicklung der christlichen Lehre.

    • Han Solo schreibt:

      Schön gesagt, Chris. Im Religionsunterricht und in Sonntagspredigten kommt meist nicht so sehr zur Geltung, daß Jesus regelmäßig mit Dämonenaustreibungen befaßt war ( kann man in der Bibel nachlesen ). Nur durch Zufall lernte ich mal einen kath. Pfarrer kennen, der das auch betrieb.

      Und das alte Testament ist manchmal so extrem verschieden von dem, was Jesus sagte. Im Alten haben wir einen rachsüchtigen bewunderungsgierigen Gott. Wenn die kleinen Menschlein ihm keine Ehrfurcht zeigen, dann ersäuft oder verbrennt er sie je nach aktueller Stimmungslage. Ein geisteskranker Egomane und Pychopath, könnte man sagen. Typisch Nahost, könnte man auch sagen.

      Im neuen Testament spricht Jesus nicht nur von Vergebung, er praktiziert sie auch. Er macht Sünder nicht zur Schnecke, sondern empfiehlt ihnen einfach nur : „sündige fortan nicht mehr“. Man vergleiche mal Jesus und die Gott des alten Testaments bezüglich ihrer Position auf der Tonskala !

      Und ein dickes Dankeschön an Burkhard, der diese Fakten gesammelt hat und hier präsentierte.

    • Burkhard schreibt:

      Danke Chris, die Daten zu recherchieren und daraus einen Artikel zu schreiben, hat mir Spaß gemacht. Die Dogmen der kath. Kirche sind in sich sehr widersprüchlich. Beispiel: Wie kann eine Unschuld mit Sünde geboren werden, deshalb zur Buße, Demut und Gehorsam verdammt bzw. verpflichtet, wenn es doch ein Ebenbild ist?

      • SKM schreibt:

        Hallo Burkhard, ein wirklich toller Artikel.
        Ich selbst bin auch katholisch aufgewachsen (wenn auch recht lose, kein wirklicher Zwang, doch zur Kirche bin ich viel in der Kindheit).
        Aus meiner heutigen Sicht erachte ich mich selbst zwar weiterhin als christlich, doch mit der organisierten, dogmatisierten katholischen Kirche habe ich nichts gemein.
        Kaum mal läßt sich einer finden, der über Bibelkenntnisse verfügt. Noch seltener ist es, dass jemand versteht, dass sie abgeändert wurde (was alleine schon durch viele Übersetzungen zustande kommt). Die Bergpredigt beihaltet meiner Meinung nach viele fernöstliche Konzepte, die denen der Zeit von Jesus in der Gegend wo er, war weit voraus waren. Ein Versuch diese Konzepte all zu wörtlich zu interpretieren führt zur Engstirnigkeit und Dogmen über Dogmen. Der Text, ursprünglich in Griechisch verfasst, läßt sich besser begreifen, wenn im Zweifel die originalen griechischen Wörter herausisoliert und definiert werden. (Wer ein besseres konzeptuelles Verstehen der Bergpredigt erlangen will, sollte es mit allen Wörtern tun, die ihm in seiner Übersetzung keinen Sinn im Kontext ergeben.)
        Als Beispiel: Math 5.5. „Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.“
        „Sanftmütig“ trifft die Geisteshaltung nicht ganz. Das Griechische Wort ist „πραεῖς“ (ausgesprochen etwa: praus) wird übersetzt als:
        „Dieses schwer zu übersetzende Wurzelwort (pra-) bedeutet mehr als bloße Sanftmut. Die biblische Sanftmut ist keine Schwäche, sondern bezeichnet viel mehr eine Ausführung „göttlicher Stärke“ unter Seiner Kontrolle – d.h. das Demonstrieren von Macht ohne unangemessener Härte.“ [Quelle]
        Mit dieser Definition sieht man dann, dass es eine ziemlich hochtonige Geisteshaltung ist. Und so ist es mit vielen der anderen Begriffen aus der Bergpredigt. Man muss nicht wirklich Griechisch können, um die Schlüßelwörter herauszuisolieren und zu klären, wenn man sich so auf diesen Pfad begeben will.

        Interessant ist, dass LRH im „Weg zum Glücklichsein“ die Goldene Regel aus der Bergpredigt herausisoliert und uns neu zugänglich gemacht hat: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ („Versuchen Sie andere zu behandeln, wie Sie von ihnen behandelt werden möchten“).

        Die Bibel steckt voller Überraschungen, auf jeden Fall.
        Auch wenn es viele kritische Eckpunkte gibt, und auch wenn ich die Dogmen der katholischen Kirche nicht teile (und einige verabscheue), denke ich, dass Scientology mir die Mittel an die Hand gegeben hat, ein besserer (konzeptueller) Christ zu sein.
        Natürlich ist der religiöse Geist eine sehr individuelle Angelegenheit und wer braucht schon ein Etikett auf „seinem Thetan“? (joke)

        Vielen Dank nochmals für den Artikel rund um Origenes.
        Es ist eine Schande, dass die Bibliothek von Alexandrien einem Brand zum Opfer gefallen ist. Religion erzeugt Fanatismus wenn sie zu Kontrollzwecken mißbraucht wird. Um wieviel weiter könnte unsere Kultur heute sein, wenn uns all das Wissen zur Verfügung gestanden hätte?

        Frohe Ostern Euch allen.
        Ostern, das Symbol für die Erhebung des Geistes über seine sterbliche Hülle.
        🙂

        • Burkhard schreibt:

          SKM, sehr interessant, was Du zur Bergpredigt vermittelst. Vielleicht wäre eine genaue Analyse der Bergpredigt unter diesem Gesichtspunkt für viele Menschen eine wertvollere Botschaft, die Antworten und Verstehen in ihr suchen.

        • SKM schreibt:

          Hallo Burkhard,
          da bin ich mir sicher. Eine solche Analyse könnte vielen helfen, die eigentliche Botschaft erst zu bekommen.
          Stell Dir mal vor, die Studiertechnologie wäre Allgemeinwissen geworden und jeder unabhängig seiner religiösen Tendenzen würde wissen, wie man Wörter richtig klärt, sie im Kontext verwendet und wie man Daten anhand von Wichtigkeit/Wertigkeit einordnet.
          Wichtig ist auch die Frage, „Warum Studieren?“ zu beantworten.
          Selbst im Falle der Bergpredigt. Viele verstehen den Sinn von Religion nicht wirklich und so lange das nicht hinreichend geklärt ist, wird die religiöse Landschaft einfach weiterhin „glibby“ sein. Denn ich bin ziemlich überzeugt, wenn jeder die Hauptbotschaften seiner Religion erhalten und sie in sein Leben implementieren würde, gäbe es keinen Wahnsinn, Krieg und keine Kriminalität mehr auf dem Planeten (bis auf den verschwindend kleinen Prozentsatz von Soziopathen – und in einer solchen Kultur würde sogar dieser Prozentsatz nach und nach kleiner werden).

          Für viele Christen ist ein spirituelles Wachstum und Christentum nicht vereinbar, da sie nicht gelehrt wurden, die Bibel dafür zu verwenden, sich spirituell zu entwickeln (zudem war es unter Strafe verboten, eine Bibel zu besitzen – über Jahrhunderte hindurch). Wir haben also eine schwach ausgepregte Kultur in Europa, wenn es um spirituelles Wachstum geht – die „religiösen Verdienste“ werden erst nach „diesem Leben“ erkennbar, wenn man vor Gott zu Gericht steht – das ist die meistgeglaubte Doktrin unter den heutigen Christen (entweder man lebt dann im Paradies mit den anderen Guten, oder man wird für immer verdammt). Dass die Bibel auch lehrt, dass man im Hier & Jetzt spirituelle Verdienste ansammeln kann, die auch im Hier & Jetzt Früchte tragen, wird oft nicht gelehrt und dadurch wird die gesamte Lehre als für das „Diesseits“ unpraktisch empfunden.
          Es gibt natürlich auch Ausnahmen und gewisse christliche Vereine, die die Bibel „spirituell praktischer“ auslegen. Und auch einzelne Individuen, die mehr wollen, als das, was nur in der Kirche gelehrt wird. Ich spreche aber hauptsächlich von der verlorengegangenen spirituellen „Kultur“. Vielmehr haben wir Autoritäten, die für uns die Schrift auslegen und Oberhäupter, von denen behauptet wird, sie seien das Sprachrohr Gottes. Klingt ziemlich wenig danach, als wollte dieses Konstrukt unseren Freien Willen und unsere natürliche (angeborene, uns eigentlich innewohnende) Verbindung zum Schöpfer wiederherstellen.

          Ich behaupte jetzt auch nicht, dass die Bibel alle Antworten parat hält. Ich denke sogar, dass viele Bücher in die Bibel aufgenommen wurden, die man nur als Referenz zum Neuen Testament verwenden kann, wenn überhaupt – da viele von ihnen dem eigentlichen Evangelium sogar widersprechen. Und es gibt auch sehr wohl deutlich sichtbare spätere „Ergänzungen“ zu den Evangelien, dann gibt es auch Bücher und Briefe, die komplett fehlen (weil sie politisch wenig förderlich geworden sind, nach dem 1. Konzil in Konstantinopel).

          Unterm Strich muss ich sagen, dass es schade ist, dass viele Schriften des Urchristentums es nicht in die heutige Zeit geschafft haben.

          Wir sollten aus der Geschichte lernen und dafür sorgen (helfen), dass die originalen Schriften von LRH erhalten bleiben. Diese Schriften betonen zwar nicht so sehr die Beziehung des Menschen und einem Schöpfergott (per „Grundlagen des Denkens“ mischt Scientology sich nicht in die Belange der 8. Dynamik ein), doch aus meiner Sicht, sind die Früchte der Anwendung der Technologien der Spiritualität sehr förderlich. Welche Religion jemand auch haben mag, er kann seine Überzeugungen stärken, verändern, nähren und was wichtiger ist, die ihm innewohnende Natur nach und nach frei schaufeln.

      • Han Solo schreibt:

        Der Begriff Buße ist offenbar auch nicht korrekt übersetzt worden in der Bibel.

        In Wikipedia steht dazu dieser Absatz : „In der religiösen Bedeutung ist Buße die Umkehr des Menschen zu Gott, von dem er sich durch die Sünde entfernt hat. Dieser Begriff ist so unterschiedlich vom Alltagsgebrauch des Worts Buße, dass er fast im Gegensatz dazu steht.“

        Das Wort im Urtext des Neuen Testaments (altgriech. metanoia) bedeutet „Umdenken, Sinnesänderung, Umkehr des Denkens“.

        Hat also nichts mit Strafe, Sühne, Bestrafung, Geldbuße usw. zu tun. Der Sünder soll vielmehr sein Denken ändern – das ist es, was Jesus meinte.

        Aber natürlich kann man Leute besser kontrollieren, wenn man ihnen die Buße schmackhaft macht. Leute, die selbständig umdenken ? Igittigitt, wer weiß, auf was für Ideen die kommen könnten :-O

        • SKM schreibt:

          Ja, richtig, Han Solo.
          So fühlen sich dann Wörter an, an deren Bedeutung physikalische Kraft (Zwang) rangepflanzt wurde.

        • Han Solo schreibt:

          Du hast mich voll verstanden, SKM !

          Dann – mit hinzugefügter physikalischer Kraft, mit „Massen“ – geht’s gleich massiv die Tonskala herunter.

        • SKM schreibt:

          Du, Han Solo, ich glaube sogar, dass man für Aussteiger der Church of Miscavology einen kleinen RD vorbereiten könnte, um die Ladung von vielen Scientology Begriffen durch richtiges Worklären wieder runter zu nehmen.
          Ich sehe die Tendenz, dass viele gute LRH Konzepte (auch administrative) im Verschwinden begriffen sind, da sie mit zu viel Ladung assoziiert werden.
          Einfach eine Liste mit den „heißesten“ Wörtern. Stell ich mir als sehr ergiebig vor.

          (Damit meine ich nicht, dass alle administrativen Konzepte von LRH aufrechterhalten werden müßen, doch bei zu viel Ladung auf verschiedenen Begriffen kann es viel leichter passieren, dass mehr Bereiche verschmelzen und zusammen in der Ecke geparkt werden).

        • Han Solo schreibt:

          SKM,
          das ist ein geistreicher Vorschlag. Vorher würde ich aber unbedingt die ARK-Brüche und anderen Out-Rudimente behandeln, die durch die „Erlebnisse“ mit der Church entstanden sind.

        • SKM schreibt:

          +1

  3. Strubbl, aka Andrea Albrecht schreibt:

    Tolle Recherche! Ein wunderbares Beispiel für meinen kleinen Artikel zum Austritt: „Die Geschichte wiederholt sich.“
    Damals: „Oh Gläubiger, wage es nicht, die Lehre unverfälscht anzuwenden. Lasse erst 500 Messen zu je 10 Scheffel Weizen lesen und bringe dem Oberpriester jede Woche ein Huhn zu seiner Atzung. Wie? Gevatter, stöhne er ob der Belastung? So tue er Buße, denn sein Herz ist des Teufels.“
    Oder die moderne Version: „Zur Befreiung deiner Seele musst du entweder jahrelang Sklavenarbeit verrichten oder 95 Prozent deines Hab und Gutes an den Oberpriester abgeben. Du darfst dein Dasein mit 5 % deines Einkommens fristen, wenn du linientreu bist, aber du wirst schneller befreit, wenn du die 5 % ebenfalls spendest und dazu noch Hypotheken auf jeglichen Grundbesitz aufnimmst und Kreditkarten bis zum Anschlag belastest. Wie? Ausbeutung? Oh, wie schade, jetzt hast du die Ewigkeit verspielt, denn du bist eine unterdrückerische Person.“
    Na, macht ja nichts, bleibt mehr Ewigkeit für die anderen …

  4. Burkhard schreibt:

    … danke an alle. Mir geht mein Herz auf, dass Euch der Artikel so gefällt. 🙂

    • Schorsch schreibt:

      Ganz klar. Jetzt da es kein Geld mehr dafür gibt („Mittelkürzungen“) ist die show vorbei. Hat also nichts mir Überzeugung zu tun so wie es ausschaut.

      • Rita Wagner schreibt:

        Lieber Schorsch, auch Überzeugung muss finanziert sein!! Wenn sie das Geld nicht mehr zur Verfügung hat es richtig zu machen und deswegen aufhört, bevor sie Halbheiten macht, finde ich persönlich das nur ehrlich!

        • Ich wusste es gleich schreibt:

          Liebe Frau Wagner, ich hab so den Eindruck dass Sie sich gar nicht wirklich bewusst sind dass Frau Caberta gar nicht das unbedingt Managment sondern vielmehr Scientology sowie auch andere relgiöse Randgruppen als solche angreift und vernichten möchte…..oder ist das Ihnen schon so klar ?

        • Rita Wagner schreibt:

          Was genau möchten sie denn wissen „Ich wusste es gleich“? Ich bin schon lange genug dabei, um Frau Caberta als absoluten Feind kennengelernt zu haben, diese Meinung habe ich um 100 % revidiert, als ich sie persönlich kennenlernen durfte – ich persönlich hatte nicht den Eindruck, dass sie beabsichtigt jemanden oder etwas „vernichten“ zu wollen, das sind meiner Ansicht nach starke Sprüche derer, die sich selbst nicht trauen Dinge zu bewirken.

  5. Burkhard schreibt:

    Hi SKM, 2. April:
    Wahre Worte und eine weise Sicht von Dir. Es freut mich… 🙂

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