Scientologys Meisterspione – Teil 3

 Pat Broeker im Januar 1986, er berichtet den Scientologen im Palladium in Los Angeles, dass L. Ron Hubbard neue Höhen der Forschung erreicht hatte, bevor er seinen Körper freiwillig verließ, um an anderer Stelle in der Galaxie zu arbeiten. Zwei Jahre später begann die Überwachung von Broeker durch seinem Rivalen, David Miscavige.

Pat Broeker im Januar 1986, er berichtet den Scientologen im Palladium in Los Angeles, dass L. Ron Hubbard neue Höhen der Forschung erreicht hatte, bevor er seinen Körper freiwillig verließ, um an anderer Stelle in der Galaxie zu arbeiten. Zwei Jahre später begann die Überwachung von Broeker durch seinem Rivalen, David Miscavige.

5.

In 1990 erhielten Marrick und Arnold eine merkwürdige Anweisung: Sie sollten nicht die Los Angeles Times lesen. In diesem Jahr hatten die Times Reporter Joel Sappell und Robert Welkos eine große Serie über die Enthüllung der Geheimnisse der Scientology produziert.

„Das ist alles Schwarze Propagande, sagten sie uns“, erinnert sich Arnold. So liefen die beiden natürlich los, um sich Ausgaben zu beschaffen. „Die LA Times nannte Pat Broeker den ultimativen Spion oder so etwas. Und ich erinnere mich, dass ich sagte: „Paul, wir beschatten keinen Laufburschen, wir beobachten 007.“

Zunehmend ähnelte ihr eigenes Leben einem Bond-Film.

„Im Laufe der Jahre mussten wir aufwendigere zweite Leben entwickeln“, sagt Marrick.

„Wir mussten Deckgeschichten haben“, fügt Arnold hinzu.

Arnold gab vor, ein Immobiliengutachter zu sein. Marrick reparierte Windschutzscheiben, und sorgte dafür, dass er seine Ausrüstung immer bei sich hatte. Aber meistens hörten sie mit, wie Broeker seinen Austritt aus Scientology mit Anwälten der Kirche über sein schnurloses Telefon verhandelte.

Ray Jeffrey hörte sich die Bänder mit seinen Kunden an. Er sagt, was ihn ergriff, waren Gespräche, die Broeker mit Gerald Feffer, einem bekannten Anwalt aus Washington DC führte. In Feffers Verhandlungen mit Broeker war das Thema überraschenderweise unbedeutend und seltsam. Broeker wollte einen alten Lieferwagen, und er wollte Hubbards Papagei.

„Broeker sagte, er sei in Kommunikation mit Hubbard, der den Vogel wollte“, sagt Jeffrey. (Hubbard war drei Jahre zuvor gestorben.) „Und dieser große Anwalt verhandelte über den Lkw und den Papagei.“

Ein anderer Kirchenanwalt hatte langwierige Diskussionen mit Broeker darüber, das Land zu verlassen, sagen sie.

Und als Marrick und Arnold das hörten, begann sie die Möglichkeit neue Arbeitsplätze im Vollzug zu finden, zu untersuchen.

„Marty ging an die Decke“, sagt Arnold. „Er sagte, dass wir eine bessere Versorgung von ihnen, als von der Strafverfolgung erhalten würden.“

Rathbun bestätigt, dass er aufgrund von Miscaviges Anweisungen den beiden Ex-Polizisten gesagt hat, sie wären besser dran, für die Kirche zu arbeiten, als zu ihren alten Arbeitsplätzen zurückzukehren. Selbst wenn Broeker nach Übersee ginge und die Operation beendet wäre, wurden ihnen Arbeitsplätze in Scientology zugesichert.

So hörten sie, wie Broeker zuerst plante nach Irland zu gehen, und dann nach Australien. Aber dann platzte das Abkommen.

Stattdessen packte Broeker zusammen und zog in Richtung Osten.

„An einem Tag pflanzte er Tomaten in seinem Garten, am anderen tauchte ein U-Haul-Lieferwagen auf“, sagt Arnold. Eine Verfolgung mit langsamer Geschwindigkeit ergab sich, und sie folgten Broeker nach New Mexico. [U-Haul ist ein Vermietungsunternehmen für LKW und Anhänger, das für Umzüge benutzt wird.]

Arnold sagt, das löste Alarm bei der Kirche aus. „Sie dachten, er würde zum Gewölbe fahren.“

Eine der geheimnisvollsten Organisationen von Scientology, die Church of Spiritual Technology, positioniert Gewölbe an verschiedenen Orten, wo Hubbards Schriften und Vorträge auf Stahlplatten geätzt und in Titan-Behältern versiegelt werden können, um einen nuklearen Holocaust zu überstehen. Bei dem Gewölbe in New Mexico, in der Nähe der Stadt Trementina, gibt es auch ein großes Wohnhaus, bekannt als das „LRH Haus“, in dem ein reinkarnierter Hubbard bei seiner Rückkehr zur Erde sein Leben aufnehmen kann.

Aber Broeker fuhr nicht nach Trementina. Stattdessen wandte er sich nach Norden und fuhr nach Cheyenne, Wyoming, zu seiner Familie. Er kam am Heiligabend 1989 an.

(Kürzlich wurde ein Anruf zu Broekers Schwager in Cheyenne getätigt, aber als nach Pat gefragt wurde, sagte sein Schwager, dass er die Nase voll hatte von Anrufen von Reportern, und zornig forderte, nicht wieder angerufen zu werden.)

Marrick und Arnold waren nicht in der Lage, den gleichen Aufbau, den sie in Paso Robles hatten, zu wiederholen, sie überwachten Broekers Haus von einem nahe gelegenen Park aus, indem sie Teleskope benutzten.

Im Laufe der nächsten Jahre, bis 1993, hielten sie die Überwachung aufrecht und beobachteten, wie Broeker in einem Krankenhaus als Herz-Techniker zu arbeiten anfing, während er Medizin studierte. Marrick und Arnold warben eine Person am Empfang des Krankenhauses an, um über Broekers Aktivitäten Hinweise zu erhalten.

Broeker, sagen sie, traf eine neue Freundin, die auch Technikerin war.

Dann, eines Tages, verschwand er.

Marrick und Arnold bekamen eine Pause, jedoch fanden sie dann im Müll seiner Freundin ein Taschentuch mit einer Adresse in Council Bluffs, Iowa, darauf gekritzelt. Ganz gewiss, war Broeker dort.

„24 Jahre Überwachung ist zum Teil Wissenschaft, und es ist auch eine Kunst,“ sagt Marrick.

Für die ersten zwei Jahre, die er in Iowa lebte, studierte Broeker Medizin an Creighton University School of Medicine in Omaha. Aber dann hörte er auf und Broeker begann Kontakt zu anderen ehemaligen Scientologen und zu Kritikern außerhalb der Organisation herzustellen, worauf sein Müll hinwies, da er mit Verschlüsselungs-Software experimentierte, sagt Arnold.

Sie sagen, dass es die Kirche besonders alarmierte, als Broeker sich bemühte zu einem Mann namens Robert Vaughn Young in Kontakt zu treten, der Scientologys Top-Sprecher bis zu seiner Lossagung gewesen war. (Young starb im Jahr 2003 an Krebs.)

Einmal trafen sich Broeker und Young zur Übergabe einer Notiz in einer Barnes & Noble Buchhandlung und nahmen dann getrennte Wege zu einem Applebee Restaurant. Arnold setzte sich an den Tisch daneben, und belauschte sie, wie sie über Miscavige sprachen.

„Unsere Aufgabe war es, Informationen zu sammeln, aber völlig unsichtbar“, sagt Marrick. „Wir haben nie jemanden belästigt.“

Broeker arrangierte auch ein Treffen in einem Hotel mit einigen der damals größten Kritiker von Scientology – Geschäftsmann Bob Minton, Ex-Scientologe Jesse Prince, und Robert Vaughn Young.

Marrick und Arnold wurden gebeten, auch andere Aufgaben zu übernehmen. Einmal wurden sie nach Indiana geschickt, um Informationen über mehrere Eli Lilly & Co Führungskräfte zu sammeln. (Scientology lehnt scharf Pharma-Unternehmen ab, die Psychopharmaka herstellten.)

Einer dieser Führungskräfte war Mitch Daniels, der heute Indianas Gouverneur ist.

„Alles, was uns gesagt wurde, war, dass er ein Lobbyist für Dan Quayle war“, sagt Arnold.

„Sie hatten uns sehr wenig darüber gesagt, warum sie wollten, dass wir dies tun,“ fügt Marrick hinzu.

Dieser Job dauerte nur ein paar Wochen, in denen sie Mitgliedschaften in einem Sonnenstudio der Ehefrau einer der Eli Lilly Führungskräfte erwarben, in der Hoffnung, einige Gerüchte über das Unternehmen zu erfahren.

(Daniels lehnte es durch seinen Pressesprecher ab, die Behauptung zu kommentieren, dass er von Scientology beschattet worden war.)

Nachdem er Iowa verlassen hatte, verbrachte Broeker einige Zeit in Colorado, bevor er in die Tschechische Republik umzog.

Broeker ließ sich in der Stadt Brno nieder, etwa 140 km nördlich von Wien. Marrick und Arnold blieben in den USA, aber beobachteten Broeker weiterhin über die 10 Jahre, die er in Europa war, von 1998 bis 2007.

„Wir mussten eine ganze Organisation in der Tschechischen Republik aufbauen. Wir stellten einen Dolmetscher ein, um dort drüben ein Team anzuwerben. Dann haben wir ein anderes Team angeheuert, damit sie das erste Team beobachten, um sicher zu stellen, dass sie echte Informationen erhielten“, sagt Marrick.

Diese Teams von Privatdetektiven fanden heraus, dass Broeker wieder einmal, bescheiden lebte. „Broeker ging dort zur Schule und unterrichtete Englisch. Also haben wir einen Schüler eingestellt, um seine Klassen zu besuchen und aufzunehmen“, sagt Arnold.

Am Heiligabend 2007 kehrte Broeker in die Vereinigten Staaten zurück, aber Marrick und Arnold sagen, sie würden keinerlei Informationen über seinen aktuellen Aufenthaltsort geben.

„Er lebt nicht mehr in der Tschechischen Republik. Dabei werden wir es belassen“, sagt Marrick.

6.

Wenn es ihnen möglich war, gaben Marrick und Arnold jeden Tag um 03.00 Uhr einem telefonischen Bericht an Marty Rathbun auf der Internationalen Basis über ein spezielles Telefon, das nur für diesen Zweck eingerichtet war. Aber nach einem Zeitpunkt im Jahr 1993 antwortete Rathbun nicht mehr.

Viele Jahre später erfuhren sie, dass Rathbun vorübergehend von Scientology „geblowt“ war – Kirchen-Jargon für das Lossagen. Obwohl Rathbun bald wieder zurückkam und bis 2004 in der Kirche blieb, wurde er nie wieder auf die Broeker Operation angesetzt.

Marrick und Arnold sagen, dass für den Rest der Zeit, etwa 15 Jahre, sie einem anderen Stellvertreter von Miscavige, einer Frau namens Linda Hamel, die der Präsident des Office of Special Affairs der Kirche war, Meldung gaben. (Ihr Deckname war einfach „L“, sagen die beiden Männer.)

Aber manchmal, wenn sie die Basis für ihren täglichen Bericht auf der speziell dafür vorgesehenen Leitung anriefen, hätten sie mit einem Mann mit tiefer Stimme gesprochen, der sich nie selbst zu erkennen gab.

„Was hast du?“, würde er fragen.

Später sahen sie Aufnahmen von David Miscavige, der Vorträge auf Scientology Events hielt, und können jetzt sagen, dass er es war, mit dem sie gesprochen hatten.

„Scientology-Führer David Miscavige hatte keinen Kontakt mit den Ermittlern, sie nie getroffen oder mit ihnen gesprochen, noch wies er sie an,“ sagte Scientology-Sprecherin, Karin Pouw, der Tampa Bay Times in einer Erklärung, und behauptete, dass Marrick und Arnold stattdessen für die Kirchenanwälte arbeiteten.

Marrick und Arnold bestreiten das. Ihr Anwalt, Ray Jeffrey, sagt: „In den 25 Jahren, hatten sie nie ein substanzielles Gespräch mit irgendeinem Anwalt der Kirche.“

Laut Jeffrey wurden an Marrick und Arnold über die Laufzeit des Projekts jährlich jedem etwa 250.000 $ gezahlt. Jedoch, sagen sie, hätten sie von diesem Geld sämtliche Kosten für die Operation zahlen müssen – Flüge, Anmietung von Häusern, Mietwagen, Teams von anderen Ermittlern, Müllarbeiter und viele Informanten.

„Wir sind keineswegs reich“, beharrt Arnold.

Im Jahr 1988 hatten sie eine Partnerschaft gebildet, „Select Investigations“ (sie gründeten sie im Oktober 1991). Sie erhielten Bankschecks – ungefähr $ 40.000 pro Monat, die aus steuerlichen Gründen aufgeteilt wurden, immer unter $ 10.000 jeder – bis 2001.

Aber Marrick und Arnold reisten so viel für ihre Arbeit, dass sie Schwierigkeiten hatten, die Schecks einzuzahlen. Marrick sagt, ihre Lösung war, ein neues Konto bei einer Bank in Los Angeles zu eröffnen und dann einen Stapel Einzahlungsscheine zur Kirche zu bringen und sie zu bitten, ihre Bezahlung einzuzahlen.

Von 2001 bis 2007 tat die Kirche genau das, und Marrick wurde kürzlich von seinem Banker bestätigt, dass während dieser Zeit die Kirche ihre Bezahlung in bar einzahlte – etwas $ 40.000 pro Monat, alles in Greenbacks [Dollars].

Scientology ist steuerbefreit, allerdings scheint das Bild, dass eine Kirche stapelweise Bargeld für eine laufende Spionageaktion einzahlt, schwer als ein religiöser Zweck zu rechtfertigen zu sein.

Im Jahr 2008, sagt Marrick, fing die Kirche wieder an, mit Schecks zu zahlen, die auf „Select Investigations“ ausgestellt waren.

Fortsetzung folgt.

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Über Felicitas Foster

Independent Scientologist - Cosmopolitan, Blog: Der Treffpunkt
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2 Antworten zu Scientologys Meisterspione – Teil 3

  1. Burkhard schreibt:

    Was für ein Irrsinn und Paranoia!!!!

  2. Rita Wagner schreibt:

    Was eine Energieverschwendung in jeder Hinsicht!!

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