Scientologys Meisterspione – Teil 2

Greg Arbold

Greg Arnold

3.

„Im Jahr 1988 gab es kein Internet, keine Handys. Die Dinge waren damals ganz anders“, sagt Arnold. „Wir wussten sehr wenig über Scientology und nichts über Pat Broeker.“

„Wir dachten, wir beschatten einen Gauner“, fügt Marrick an.

Während Broeker auf dem Scientology Eigentum lebte, fuhr er es auch. Sein Auto war auf den Druckerei-Zweig der Scientology, Bridge Publications, registriert. Daher, so sagen Marrick und Arnold, autorisierte die Kirche, dass daran ein Peilsender angebracht wurde, ein magnetisches Gerät an seinem Batteriekabel.

„Wir hatten ein Peilgerät. Es war primitiv, aber es konnte dir die generelle Richtung geben, in der er sich befand“, sagt Marrick. Sie hatten auch Hilfe. Ein Mann namens John Brousseau arbeitete auf der Ranch und würde ihnen einen Hinweis geben, wenn Broeker kam oder ging.

„Joe fährt nach St. Louis“ war der Kode, dass Broeker die Ranch verlassen hatte. „Hühner im Hühnerstall“ war das Zeichen, dass er zurückgekommen war, sagen sie.

„Ich erinnere mich daran“, sagt Brousseau heute. „Ich ging sogar hin und befestigt den Peilsender an seinem Ford Lieferwagen. Ich verkabelte ihn so an der Batterie des Lastautos, dass sie die Batterie der Einheit nie wechseln mussten. Es war eine kleine mitternächtliche Arbeit mit einem Lichtstift.“

Brousseau ist einer der neuesten „Sea Org“-Arbeiter, der Scientologys geheime Internationale Basis, östlich von Los Angeles, verließ. (Wir haben einen ausführlichen, zweiteiligen Bericht über ihn früher in diesem Jahr geschrieben.)

JB, als das er bekannt ist, sagt, dass Broeker nichtsahnend war, dass die Observation ihn so straff überwachte. „Keine Ahnung. Er war vollständig ahnungslos. Meine Observation ergänzte ihre. Und ich berichtete direkt an Miscavige“, sagt Brousseau.

„Miscavige hielt Ausschau nach einigen versteckten Informationen, versteckten Ordnern, verstecktem Geld oder originale Dokumente von Hubbard, die Broeker angeblich besitzen sollte“, fügt er hinzu. „Aber ich denke, dass nichts wirklich aus all dieser Sucherei herauskam.“

Broeker verließ die Ranch bald und zog mit einer Frau zusammen, die Tierärztin in Paso Robles war. (Inzwischen hatte er sich von Annie Broeker getrennt, die dann den Rest ihres Lebens in der Scientology Internationalen Basis in der Nähe von Hemet verbracht, bis sie in ein Apartment in Hollywood umquartiert wurde, um dort 2011 in Abgeschiedenheit zu sterben.)

Marrick und Arnold sagen, dass sie in Paso Robles versucht haben, dichter an Broeker heran zu kommen. Sie mieteten ein Nachbarhaus und baten eine junge Frau, dort zu leben. Sie funktionierte nicht, so tauschten sie sie mit einer anderen aus, die letztendlich Arnolds Ehefrau wurde. Mit ihr zur Stelle, installierten sie Sensoren, um Broekers Haus unter Beobachtung zu halten.

Besorgt, dass ihre Operation die Aufmerksamkeit der örtlichen Polizei auf sich ziehen würde, kauften sie einen Polizeifunk-Radar. Während der Überwachung, bemerkten sie, dass dieser private Gespräche empfing, die von Menschen in der Nähe mit dieser neuen Erfindung von schnurlosen Telefonen geführt wurden.

„Kling!“ sagt Marrick, während er sich erinnert, wie diese Entdeckung sie auf eine Idee brachte.

Sie überprüften die Legalität davon, und tatsächlich war es nicht nur legal, ein schnurloses Telefon abzuhören, sondern das Gesetz erlaubte auch die Aufzeichnung dieser Anrufe.

Als Teil des Operation, wurde Marricks Vater, „Großer Paul“, angeworben, um sich mit Broeker anzufreunden. Im Laufe der Zeit kamen sie sich näher, und Großer Paul wurde in Broekers Haus eingeladen. 1988 gab er Broekers Freundin ein schnurloses Telefon als Geschenk zu Weihnachten.

Im Laufe der nächsten Jahre nahmen Marrick und Arnold jedes Gespräch auf, das Pat Broeker über das Telefon führte. Sie haben die Bänder immer noch, und spielten sie vor Kurzem mit ihren Anwälten wieder ab, um ihre Klage vorzubereiten.

„Uns war gesagt worden, dass er ein Trinker und ein Dieb sei. Das war falsch. Er ist ein wahrer Gläubiger der Scientology“, sagt Marrick. „Er ist ein introvertierter Mensch. Er liebt das Lesen und Studieren.“

(Wenn Marrick und Arnold auch vorsichtig waren, ihre Überwachungstätigkeit im Rahmen des Gesetzes zu halten, sagt John Brousseau, dass die Kirche selbst nicht so über die Legalität besorgt war. Während Broeker noch auf der Creston Ranch war, sagt er, installierte er ein Abhörgerät, dass sich einschaltete, wann immer Broeker einen Anruf im Schaltkreis der Ranch erhielt oder tätigte. Brousseau hörte bei diesen Gesprächen mit, die hauptsächlich zwischen Broeker und seiner Freundin aus Paso Robles stattfanden. „Ich fühlte mich wirklich eigenartig, ihnen zuzuhören“, sagt er. „Aber das ging nicht von mir aus. Ich wurde angewiesen, diese Dinge zu tun. Miscavige sagte: ‚Dieser Kerl hat wahrscheinlich Zeug versteckt, und wir müssen es aufspüren. Wir müssen ihm folgen.‘ Miscavige wusste durchaus, was los war.“)

Neben dem Abhören von Broekers Gesprächen, bezahlten Marrick und Arnold auch Müllarbeiter, um seinen Müll zu ihnen geliefert zu bekommen. Sie siebten ihn durch, sie trugen mehr Informationen über seine Gewohnheiten und Tätigkeiten zusammen.

Marrick und Arnold bezahlten andere Informanten. Sie zahlten die Miete für Häuser, Autos, und sie bezahlten Teams von anderen Ermittlern.

Aber dann wollte die Kirche wissen, ob sie auch das bekam, was ihr Geld wert ist.

4.

Im Frühjahr des Jahes 1989 plante Miscavige ein Treffen mit Broeker in Joshuas Restaurant, zu der Zeit eine renommierte Einrichtung in Paso Robles. Marrick und Arnold wurde von Rathbun gesagt, dass Miscavige wollte, dass sie ihn beschatteten, er wollte das Treffen auf Video aufgenommen haben, und er wollte, dass so gemacht sollte, ohne dass er merkte, was vor sich ging.

„Miscavige wollte unsere Fähigkeiten testen“, sagt Arnold. „Er wollte sichergehen, dass Broeker nicht wissen würde, dass er beschattet wurde.“

Marrick kann sich lebhaft daran erinnern, die Diskussion zwischen den beiden Männern aus der Ferne beobachtet zu haben. „Pat sprang auf den Tisch. Er machte David runter und wedelte mit dem Finger vor seinem Gesicht. Wir konnten jedoch nicht hören, was er sagte“, sagt er.

Von den Anrufen, die sie abhörten, fügte Arnold hinzu, hatten sie den Eindruck, dass Broeker keine Angst vor Miscavige hatte.

Nach dem Treffen sagte Rathbun ihnen, dass Miscavige nicht imstande gewesen war, ihre Gegenwart zu erkennen. Sie hatten den Test bestanden.

„Nach dem Test sagte Marty uns, dass wir die Operation übernehmen sollten“, sagt Marrick.

„Man sagte uns, dass wir Arbeitsplätze fürs Leben hätten“, fügt Arnold hinzu.

Nach der Prüfung wurden sie nach Los Angeles zu einem Treffen mit Rathbun im Bonaventure Hotel gerufen. Sie wurden in ein Zimmer begleitet, wo eine Frau mit einem E-Meter wartete. Es war Zeit für eine weitere Befragung, die gleichen Fragen wurden gestellt, um herauszufinden, ob sie geheime Feindseligkeiten gegen Miscavige, Rathbun, oder die Kirche hegten.

Nach dem Bestehen dieser Prüfung gab Rathbun ihnen vier Bankschecks über je 8.000 $. Es war ihre Bezahlung für die erste Woche.

„Übernehmt diese Sache“, sagte er ihnen.

„Wir mussten den anderen sagen, dass die Operation vorbei war. Aber das stimmte nicht wirklich“, sagt Arnold.

Von nun an waren Marrick und Arnold auf sich gestellt. Nur sie beide, Rathbun und Miscavige würden wissen, dass sie bezahlt wurden, um Broeker zu beobachten.

Fortsetzung folgt.

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Über Felicitas Foster

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