Was Zählt 1

Von Worsel

Neutral-Sein

In bezug auf die Differenzen zwischen der abhängigen Scientology, wie sie derzeit in den Kirchen praktiziert wird und den Unabhängigen, kommt es nicht darauf an, dass du für eine  Seite bunte Fähnchen schwenkst und „Hurra“ rufst.

Es kommt darauf an, auf welcher Seite du stehst. Es kommt darauf an, was du unternimmst.

Angenommen, du wärst an Bord eines sinkenden Ozeanriesens, wie könntest du reagieren?
Du könntest die Situation ignorieren, versuchen, wegzuschauen.
Du könntest den Klängen der Kapelle lauschen, während das Schiff mehr und mehr Schlagseite bekommt.
Du könntest überwältigt sein.
Du könntest verzweifelt sein, Angst haben.
Du könntest versuchen, deine Haut zu retten und in ein Rettungsboot zu gelangen.
Du könntest wütend auf die Verantwortlichen sein.
Du könntest alles Mögliche sein, aber eines könntest du nicht:
Du könntest nicht „neutral“ sein.

Nicht, wenn du auf diesem Schiff bist. Das kannst du nicht.
Nicht, wenn dir das Wasser um die Knöchel spült,
und erst recht nicht, wenn es dir bis zum Hals steht.
Dann kannst du nicht mehr „neutral“ sein.
Das Kasperle-Theater, das aufgeführt wird,
damit du nicht hinschaust, damit du stillhältst, wird dir nicht helfen.
Dazu ist es nicht da.
Man will ja keine „Enturbulation“ und kein „Entheta“.
Aber das Kasperle-Theater, das dich ablenken soll, das ist das Entheta.
Das Wasser um deine Knöchel, das ist eine Tatsache.
Und deshalb kannst du eines nicht: „neutral“ sein.
Das ist nicht möglich, mein Freund.

Zeit für die wichtigen Fragen

Wenn du also nicht „neutral“ sein kannst, was für Möglichkeiten hast du?
Ich würde sagen, das lässt sich erst beantworten, wenn du entschieden hat, welcher Blickwinkel auf diese Angelegenheit für dich der richtige ist. Wenn du entschieden hast, aus welcher Perspektive du schauen möchtest, erst dann lässt sich bestimmen, was du als „wichtig“ akzeptierst.

Die Frage der „Wichtigkeit“ einer Angelegenheit begegnet uns oft im Gewand des Themas „Zeit haben“. Ob wir für etwas „Zeit haben“ wird zum größten Teil durch die Frage bestimmt, welche Wichtigkeit, wir dieser Sache beimessen. Der eine „hat Zeit“ für seine Kinder, der andere „hat Zeit“ für seine Arbeit, ein anderer „hat keine Zeit“ zum Aufräumen, etc. Da Zeit nun aber jeden Tag in gleicher Menge zur Verfügung steht, wird deutlich, dass „keine Zeit“ eigentlich bedeutet „etwas anderes ist mir wichtiger“ oder „etwas anderes erscheint mir dringender“.

Natürlich gibt es Angelegenheiten, die dringend sind, die sich in den Vordergrund drängen, weil sonst irgendeine Katastrophe droht. Oft werden die Begriffe „dringend“ und „wichtig“ nicht genügend voneinander unterschieden.

„Ich habe keine Zeit“ bewirkt jedoch noch etwas anderes. Es verschleiert, dass du eine Wahl hast. Du kannst über Wichtigkeiten entscheiden, darüber, was dir am Herzen liegt und was nicht. Und auch die Sicht auf Dringlichkeiten ist veränderbar.

Die Perspektive

Was als wichtig und was als weniger wichtig erachtet wird, hängt von einigen Faktoren ab. Einer davon ist, welchen Zeitraum wir dabei ins Auge fassen.

Wenn du nur die Geburtstagsfeier am heutigen Nachmittag im Sinn hast, dann ist es „wichtig“, dass der Kuchen nicht im Ofen anbrennt und dass die Schlagsahne rechtzeitig eingekauft wird.

Wenn du hingegen in 1000 Jahren über dein jetziges Leben nachdenken würdest, was würdest du dann als wichtig einstufen? Sehr wahrscheinlich würden der Kuchen und die Schlagsahne von heute Nachmittag ein anderes Gewicht bekommen.

Andere Faktoren, welche bei der Auswahl von Wichtigkeiten eine Rolle spielen, sind Ziele und Entscheidungen, unsere Lebensumstände, Vorlieben und Abneigungen, die Umgebung, Freunde und Freundschaften, Erziehung und nicht zuletzt, die Kultur in der wir uns bewegen. In einer Kleinstadt im Mittelalter zum Beispiel mag es „wichtig“ gewesen sein, immer gleich den Eimer mit den Fäkalien auf die Straße zu entleeren. Heute ist das anders.

All dies kann unsere Einstellung beeinflussen, ob wir für etwas „Zeit haben“ oder nicht.

Der Wert deiner Zeit

Achtzigmal Sommer, achtzigmal Winter und das war’s.
Manchmal etwas mehr. Manchmal etwas weniger.
Wie viel davon ist schon abgelaufen?
Wie viel steht noch zur Verfügung?
Was wirst Du mit dieser Zeit anfangen?
Wofür wirst Du sie nutzen?
Und:
Wirst Du sie nutzen?

Ich habe mich mit einem Freund von mir kurz vor seinem Tod darüber unterhalten. Sein Körper war sehr krank und er wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleiben würde. Und er bereute zutiefst, dass er nicht schon in früheren Jahren einen etwas weiter reichenden Blick auf sein Leben angewendet hatte. Denn der Augenblick, der vergangen ist, der ist vergangen. Und die einzige Gelegenheit, etwas zu unternehmen, die ist jetzt. Genau jetzt. In diesem Moment.

Zuschauer, aber nicht mehr als das

Es gibt Elemente, welche hart daran arbeiten, dass viele von uns in einem Zustand als Zuschauer verharren, als Zuschauer im Leben. Diese Elemente verfolgen das Ziel, dich mit etwas Unwichtigem zu beschäftigen, damit sie ungestört dunkle Aktivitäten ausführen können. In seinem brillanten Artikel „Desinformation und der Golfkrieg“ von 1991 hat Noam Chomsky sehr deutlich gemacht, dass dies sogar ein wesentliches Element dessen ist, was uns als „Demokratie“ dargeboten wird. Dieser Artikel ist in vielerlei Hinsicht aktuell. Er führt aus, dass in den heute praktizierten Formen von „Demokratie“ zu der Lösung gegriffen wird, die breite Masse möglichst von der Teilnahme an Politik und Entscheidungen fern zu halten, da sie „zu dumm“ und „zu verantwortungslos“ sei, um daran teilzuhaben. Die Kontrolle und Entscheidungsmacht wird von einer kleinen „Elite“ gehalten, welche diese Position hartnäckig verteidigt. (Desinformation und der Golfkrieg)

Dass es so viele Menschen gibt, die als Zuschauer durch das Leben gehen, ist nicht einfach nur so ein zufälliger ungünstiger Umstand, welcher sich um dich herum abspielt. Dieser Umstand wird absichtlich verursacht, gefördert und begünstigt.

Was ist die passende Bezeichnung für eine Gesellschaftsform, in der die Bevölkerung darüber im Dunkeln gelassen wird, was in ihrem Namen veranstaltet wird? Wie soll man sich über etwas eine Meinung oder ein Urteil bilden, wenn die Informationen geheim gehalten werden und man überhaupt nichts von diesem Vorgang erfährt?

Und: Wie passt das mit den Forderungen zusammen, einen „mündigen“ oder „verantwortungsvollen“ Bürger zu haben? Wie kann eine Bevölkerung sich „verantwortungsvoll“ verhalten, wenn sie gar nicht weiß, welches Spiel gespielt wird?

Und: Was nutzt dir das Recht auf „Meinungsfreiheit“ und das Recht auf „Redefreiheit“, wenn du gar nicht die relevanten Informationen bekommst, über die du eine Meinung haben könntest oder über die du reden dürftest? Ohne Zugang zu den relevanten Informationen sind diese Rechte gegenstandslos. Über das Wetter und Sport gab es auch in der DDR oder unter den Nazis „Meinungsfreiheit“ und „Redefreiheit“.

Bemerkenswerterweise folgen meines Wissens alle Staaten der scheinbar bequemeren Lösung, die „dumpfe Masse“ „regierbar“ zu halten, indem man sie von (politischen) Entscheidungen möglichst fernhält und sie mit Unterhaltung und Desinformation in einem Zustand als Zuschauer lockt. Das erstreckt sich nicht nur auf den Bereich der gesellschaftlichen und politischen Aktivitäten.

An eine Lösung in die andere Richtung, einem möglichst aktiven und informierten Zustand der Bürger und deren Teilnahme an Entscheidungen zu fördern, hat sich anscheinend noch kein Staat herangewagt. Aber dass Leute bisweilen unvernünftig oder überwältigt sind und sich auf einen kleinen Teilaspekt des Lebens so konzentrieren, dass sie größere Bereiche ganz aus den Augen verlieren, lässt sich in vielen Fällen leicht ändern. Und vielleicht würden sich dann auch die Probleme lösen lassen, die sich aus den unterschiedlichen Loyalitäten und Interessengruppen ergeben, denen sich ein Staat ausgesetzt sieht.

Ein Staat, der die Bevölkerung eines anderen Landes belästigt oder mordet, handelt meines Erachtens selten im Interesse der eigenen Bevölkerung, sondern scheint eher loyal denen gegenüber zu sein, die sich von solchen Aktionen einen Nutzen oder Verdienst versprechen, nicht der eigenen Bevölkerung gegenüber. Bevölkerungen kommen in der Regel friedlich miteinander klar, wenn sie nicht gegeneinander aufgehetzt werden. Sie lieben es nicht besonders, sich ermorden zu lassen, oder andere zu ermorden.

(Und ganz unter uns gesagt, ein Staat mit solch einer aktiven Bevölkerung, die Anteil an den Entscheidungen und Vorgängen nimmt, würde sich im Vergleich zu anderen Staaten ausnehmen, wie ein Profi-Fußballverein, der gegen eine Mannschaft von Amateurkickern spielt, bei welcher der Mannschaftskapitän versucht, die anderen Spieler der Mannschaft möglichst passiv zu halten, damit er selbst möglichst lange Mannschaftskapitän bleiben kann. Dieser Mannschaftskapitän ist weder der Mannschaft gegenüber loyal, noch würde solch ein Verhalten für die betreffende Mannschaft förderlich sein.)

Damit diese Version von „Demokratie“ funktioniert, bei der eine kleine „Elite“ die politische und sonstige Entscheidungsgewalt in ihren Händen behält, müssen die einzelnen „Bestandteile“ der Bevölkerung mitspielen und eine Rolle als Zuschauer akzeptieren.

Es liegt jedoch an Dir, ob du diese Rolle akzeptabel findest. Du entscheidest, ob du abends vor dem Fernseher sitzt, dir das Unterhaltungsprogramm von Soap Operas, Spielfilmen oder Talk Shows anschaust, ob du deine Zeit mit einem Computerspiel oder der Bundesliga verbringst. Das ist deine Entscheidung, ob du das tust.

Wenn du mutig bist, zählst du einmal diese Stunden für dich zusammen. Was ist dir wert, dass du deine Lebenszeit dafür verwendest? Und vielleicht werden freie Räume von Zeit sichtbar, wenn man einen anderen Maßstab von Wichtigkeit anlegt.

***

–> Teil 2

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Über Felicitas Foster

Independent Scientologist - Cosmopolitan, Blog: Der Treffpunkt
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2 Antworten zu Was Zählt 1

  1. LO schreibt:

    Worsel

    Sehr schön geschrieben. Wikileaks bestätigt deine Ansicht. Ich hoffe dass die Wahrheit gewinnen wird und diese elitäre Clubs es nicht schaffen das Internet unter ihre eigene Kontrolle zu kriegen.
    Je mehr Wahrheit publiziert wird je mehr tatsächliche Freiheit werden wir gewinnen.

    LO

    • Worsel schreibt:

      LO,
      Das hoffe ich auch. Das Thema liegt mir sehr am Herzen und ich habe richtig Spaß damit, das „zu Papier“ zu bringen.
      Es freut mich, daß Dir dieser Teil gefällt. Ich hoffe, Dir gefallen die anderen Teile auch.
      Worsel

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